Wo heute bei Volkswagen Autos vom Band laufen, sollen bald Raketenabwehr-Teile entstehen. Doch die Belegschaft kämpft zurück.
Von Marcus Schwarzbach – 7. April 2026.
Netzfund: https://www.telepolis.de/article/VW-Osnabrueck-Vom-Cabrio-zur-Kriegsmaschine-11242855.html
Ostern ist die Zeit der Friedensmärsche. Verschiedene Aufrufe sollen zur Teilnahme motivieren. Abrüstungsinitiativen und einen Friedensplan für Europa fordert das Netzwerk Friedenskooperative:
„Sozialabbau oder neue Schulden für militärische Aufrüstung auf Kosten von u. a. Bildung, Klimaschutz und dringend benötigten Investitionen, die unser Leben verbessern, sind inakzeptabel.“
Die Aufrüstung wird von der Bundesregierung weiter vorangetrieben. Immer mehr Unternehmen sehen in Waffen ein lukrativen Geschäftsmodell. Das scheint auch für den VW-Standort Osnabrück zu gelten.
Der NDR meldet, dass VW und das israelische Rüstungsunternehmen Rafael Advanced Defence Systems in Osnabrück Teile für das Luftabwehrsystems Iron Dome produzieren sollen. Die Zukunft dieses Werks ist ab Sommer 2027 ungeklärt, laut VW-Vorstand Oliver Blume werden dann keine eigenen Fahrzeuge mehr produziert.
Daniela Cavallo, die Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG, hat sich offen für Rüstungsprojekte gezeigt. Über Rüstungsproduktion in Osnabrück wird seit Längerem spekuliert.
Wo heute noch Porsche und VW-Cabrios vom Band laufen, entsteht vielleicht schon bald ein Zulieferbetrieb für aktuelle und kommende Kriegsschauplätze. Nach Medienberichten könnten für das Raketenabwehrsystem Trucks, Trägerraketen und Generatoren gebaut werden.
Der IG-Metall-Vorstand wartet ab – Gewerkschaftsbasis aktiv
Der IG-Metall-Vorstand positioniert sich nicht bei Umwandlung von Industriebetrieben in Rüstungsunternehmen. Das begrüßen nicht alle Mitglieder, zumal „Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung“ ein Ziel laut IG-Metall-Satzung ist.
Viele VW-Beschäftigte hätten auf Lohn verzichtet und seien frustriert wegen der Rüstungspläne, berichtet Lars Hirsekorn, Betriebsrat bei VW Braunschweig:
„Ob das die Mehrheit der Beschäftigten ist, wissen wir nicht. Aber es sind viele, und wir erwarten, dass es eine breite und offene Debatte dazu gibt.“
„Gerade in der Friedensstadt Osnabrück, die diesen Titel gemeinsam mit Münster aufgrund des Westfälischen Friedens von 1648 trägt, geht es deshalb darum, Druck von unten aufzubauen und gesellschaftliche Mehrheiten zu verschieben“, fordert Tobi Rosswog, Mitinitiator von „VW steht für Verkehrswende“.
Es gibt viele Argumente, die gegen eine Konversion zur Waffenproduktion sprechen. Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie sind unsicherer als in vielen anderen Branchen. Es kann zu Auftragsrückgängen, da die Nachfrage von politischen Entscheidungen abhängt.
Vielen Beschäftigten ist klar: Aufrüstung sorgt nicht für Frieden. Steigende Ausgaben für Militär führen zu Kürzungen im Sozialbereich, Kriegskredite in Form eines Sondervermögens müssen auch bezahlt werden.
Rüstungsproduktion ist mit Kriegen verbunden – eine Entspannung der internationalen Beziehungen kann zu einem Rückgang der Nachfrage und zu Arbeitsplatzverlusten führen. Viele Beschäftigte wollen, dass ihr Job auch im Privatleben Ansehen hat; das ist bei einer Branche, die davon lebt, dass kein Frieden herrscht, schwer möglich.
„Dass innerhalb weniger Monate ein militärisches Modell in Osnabrück entwickelt werden konnte, zeigt, dass die Entwicklungsabteilung vor Ort großes Potential hat“, sagt Annika Fuchs, Mobilitätsreferentin bei der Umweltschutzorganisation Robin Wood. Sie fordert, dieses Potential in klimafreundliche Produkte zu investieren und den Standort in ein Pilotprojekt der Verkehrswende zu verwandeln.
Es gehe darum, Alternativen zu entwickeln:
„Rüstung schafft keine sichere Zukunft! Immer wieder wird behauptet, der Rüstungsboom sichere Arbeitsplätze und nütze der Gesamtwirtschaft. Das ist so nicht haltbar. Dort, wo Produktionskapazitäten von zivil auf militärisch umgestellt werden, gibt es keine vollständige Arbeitsplatzsicherung. […] Organisieren wir uns gemeinsam: Kämpferische Arbeiter:innen, kreative Aktivist:innen und engagierte Zivilgesellschaft.
Im Osnabrücker Werk werden bereits jetzt Kleinbusse für den öffentlichen Personennahverkehr in Hamburg und Hannover gebaut. Dies könnte ausgebaut werden.
Proteste von der IG-Metall-Basis
IG-Metall-Vertrauensleute bei Ford haben deshalb auf ihrer Vollversammlung im Januar 2026 die Erklärung „Nein zur Kriegswirtschaft“ beschlossen. Mit dieser Entscheidung positionieren sich die ehrenamtlichen Gewerkschafter deutlich gegen die Umstellung auf Rüstungsproduktion:
„Der IG Metall Vertrauenskörper der Ford-Werke in Köln schaut mit großer Sorge auf die weltweite Aufrüstung und zunehmenden Kriege. In Deutschland werden bereits erste Werke zur Umstellung auf Rüstungsproduktion gesucht. Wer uns damit Arbeitsplätze verspricht, versucht auf üble Weise die Existenzängste der Belegschaften in der Autoindustrie ausnutzen.
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