Von Matthias Rackwitz – Offener Brief an deutsche Medien und an das Auswärtige Amt – 27. September 2026.
Netzfund: https://www.seniora.org/politik-wirtschaft/deutschland/wadephul-lawrow-und-ein-papier-zu-butscha-warum-fragen-ard-und-zdf-nicht-nach
(Red.)Butscha… Am 31. März des Jahres 2022 berichtete der Bürgermeister des am westlichen Rand von Kiew gelegenen Butscha über den Rückzug der russischen Truppen aus der Stadt in einem kurzem Video. Er teilt sichtlich erleichtert und erfreut mit, dass die – so der Amtsträger wörtlich – „russischen Orks“, die „Okkupanten“ die Stadt verlassen haben und dankt mit überschwänglichen Worten der ukrainischen Armee für diesen Sieg. Kein Wort über irgendwelche Opfer, kein Wort über Tote, kein Wort über ein Massaker irgendeiner Art in dieser Kleinstadt von – nach amtlichen Angaben aus dem Jahre 2022 – etwa 34.000 Einwohnern.
Das Video kann sich bis heute jeder auf YouTube ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=ooO1AS8w71U
Am 2. April 2022, also ganze zwei Tage nach dem Video des Bürgermeisters, berichteten französische Journalisten von AFP als erste über etwa 20 Leichen in der Jablonska-Straße. Danach kamen die Veröffentlichungen über „russische Gräueltaten“ in den westlichen Medien Schlag auf Schlag, ohne dass diese erklärten, warum der Bürgermeister von Butscha am 31. März 2022 keinerlei Leichen zu vermelden hatte.
Während die Ukraine gemeinsam mit ihren westlichen Sponsoren ihre gesamte Kriegserzählung und die entmenschlichende Darstellung russischer Truppen, ja russischer Menschen als solche darauf aufbaute, was nach westlichen Medien und späteren offiziellen ukrainischen und westlichen Statements in Butscha geschehen sein soll, versuchte Russland seit den ersten Veröffentlichungen über massenhafte Gräueltaten russischer Soldaten die Diskussion zu versachlichen, indem es Fakten forderte: Namen, Geschlecht, Alter, Todesursache und Herkunft der angeblich Getöteten.
Bis heute wurden diese zur Aufklärung von Gewaltverbrechen notwendigen Angaben der russischen Seite nicht übergeben.
Am Rande der diesjährigen UNO-Vollversammlung kam es zu einem ersten Treffen des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit dem deutschen Außenminister Johann Wadephul seit über vier Jahren – ein „Vermächtnis“ unter anderem der aufopferungsvollen und völkerverbindenden Amtsführung der deutschen Superdiplomatin Baerbock.
Initiiert wurde das Treffen von der deutschen Seite. Russland war dennoch vorbereitet und übergab dem Vertreter der deutschen Regierung die von Russland gesammelten Materialien über das Geschehen in Butscha, die es wenige Tage zuvor veröffentlicht hatte. Wadephul war sichtlich bemüht – von den Kameras auch deutscher Fernsehsender festgehalten – das Dokument nicht der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Weder in deutschen Mainstream-Medien noch seitens der deutschen Politik gab es weiterführende Informationen zu diesem Dokument. Das ist erstaunlich, da es zum einen jedermann zugänglich ist und zum anderen detaillierte, nachvollziehbare Informationen über die von ukrainischer Seite in Denkmalform präsentierten Opfer von Butscha 2022 enthält, die den offiziellen deutschen Standpunkt unhaltbar machen. Diese Informationen demaskieren die ukrainischen und westlichen Butscha-Rituale als das, was sie sind: Als eine vom Westen erfundene Erzählung zur Glorifizierung und Fortsetzung eines vom Westen inszenierten Krieges.
Nun versucht ein „Offener Brief“ an die Medien, diese zu einer Stellungnahme zu der in New York stattgefundenen Dokumentenübergabe zu bewegen. Wir veröffentlichen den offenen Brief an ZDF, ARD, der in Kopie auch an das Auswärtige Amt ging.
Hier finden Sie das Dokument auf Deutsch: https://okv-ev.de/dokumente/?pdf=Andere/Die_Erben_von_Goebbels.pdf
Wir empfehlen jedem an der Wahrheit Interessierten das Studium des Dokuments, das im offenen Brief verlinkt ist.(rbz)
Von: Matthias.Rackwitz@web.de
Datum: 27. September 2026 um 09:04:13 MESZ
An: Chefredaktion@zdf.de, chefredaktion@ard.de, kontakt@ard-hauptstadtstudio.de, hauptstadtstudio-leitung@zdf.de
Kopie: poststelle@auswaertiges-amt.de
Betreff: „Die Erben von Göbbels“ – Wadephul, Lawrow und ein Papier zu Butscha – warum fragen ARD und ZDF nicht nach?
Sehr geehrte Damen und Herren der Chefredaktionen von ARD und ZDF,
ich wende mich mit einer aus meiner Sicht ausgesprochen naheliegenden journalistischen Frage an Sie, die sich aus Ihren eigenen auktuellen Bildern zum Treffen von Bundesaußenminister Johann Wadephul mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am 26. September 2026 in New York ergibt.
Es geht um ein Dokument, das bei diesem Treffen auf dem Tisch vor Johann Wadephul lag und dessen Titel auf den von Ihren Medien verbreiteten Aufnahmen zumindest für einen kurzen Moment erkennbar war.
Nach Angaben des russischen Außenministeriums handelt es sich um den am 17. September veröffentlichten Bericht
„Heirs of Goebbels: Falsification of the Events in Bucha and Bloody Staged Performances of the Kiev Regime“.
Der Bericht ist auf der Internetseite des russischen Außenministeriums veröffentlicht:
https://mid.ru/en/foreign_policy/reports/2142212
https://mid.ru/fr/foreign_policy/news/2148074/?lang=de
Die russische Seite erklärt, dass dieses Material Wadephul bei dem Treffen vorgelegen habe. Auch die von russischer Seite veröffentlichten Aufnahmen lassen erkennen, dass das Dokument auf dem Tisch lag. Inzwischen wurde zudem öffentlich thematisiert, dass Wadephul nach seinem Platznehmen das dort liegende Papier offenbar mit einem anderen Dokument bzw. einem Notizbuch abdeckte.
Ich möchte ausdrücklich nicht von Ihnen verlangen, die in dem russischen Bericht enthaltenen Behauptungen zu übernehmen. Im Gegenteil: Gerade weil es sich um ein politisch hochgradig umstrittenes Dokument handelt, wäre es journalistisch interessant zu erfahren, wie der deutsche Außenminister damit umgeht.
Denn die entscheidende Frage lautet:
Was genau hat Sergej Lawrow bzw. die russische Seite Johann Wadephul in New York zu Butscha übergeben – und hat der deutsche Außenminister das Dokument beziehungsweise dessen Inhalt zur Kenntnis genommen?
Und daran anschließend:
Was sagt Johann Wadephul zu den konkreten Vorwürfen und Materialien, die in diesem Dokument enthalten sind? Hat er das Dokument gelesen? Hat er es zurückweisen lassen? Wird die Bundesregierung die darin aufgeworfenen Fragen prüfen? Oder hält sie die darin enthaltenen Angaben bereits aufgrund ihrer Herkunft für irrelevant?
Das sind keine Fragen, die sich durch den Hinweis erledigen lassen, es handele sich um russische Propaganda.
Denn genau darin liegt die journalistische Aufgabe: Wenn ein Außenminister der Bundesrepublik Deutschland bei einem seit Jahren ungewöhnlichen direkten Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen ein Dokument zu einem der zentralen Ereignisse der europäischen Kriegs- und Konflikterzählung vorgelegt bekommt, ist es von öffentlichem Interesse, zu erfahren, was daraufhin geschieht.
Butscha ist schließlich kein nebensächliches Detail.
Außenminister Wadephul selbst hat die Ereignisse von Butscha wiederholt als zentrales Symbol russischer Verbrechen dargestellt. In seiner Rede vom 17. April 2026 erklärte er ausdrücklich, Butscha stehe „weltweit für den Terror, mit dem Russland die Menschen in der Ukraine überzieht“, und sprach von den „unfassbaren Verbrechen der russischen Armee“.
https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/2768154-2768154
Damit ist Butscha nicht lediglich ein historischer Streitgegenstand, sondern Bestandteil der politischen Begründung deutscher Außen- und Sicherheitspolitik.
Umso bemerkenswerter ist, dass bei dem Treffen mit Lawrow nun ein Dokument genau zu diesem Ereignis unmittelbar vor dem deutschen Außenminister lag – und dass Ihre Kameras diesen Vorgang sichtbar gemacht haben.
Ihre aktuelle Berichterstattung berichtet ausführlich über das Gespräch selbst. Die Tagesschau nennt als Gesprächsthemen unter anderem Getreideexporte, den Leipziger Drohnenvorfall und die deutsche Unterstützung für die Ukraine. Sie berichtet auch über Wadephuls anschließende Aussage, mit Gegnern müsse man verhandeln, sowie über Lawrows Einschätzung, das Gespräch habe angesichts der täglichen öffentlichen deutschen Äußerungen keinen erkennbaren zusätzlichen Nutzen gehabt.
https://www.tagesschau.de/ausland/wadephul-rede-un-generalversammlung-100.html
Auch das ZDF hat die Begegnung filmisch dokumentiert:
https://www.zdfheute.de/video/zdfheute-xpress/wadephul-lawrow-treffen-handshake-video-100.html
Was ich bislang vermisse, ist jedoch die journalistisch geradezu auf der Hand liegende Nachfrage nach dem auf dem Tisch liegenden Dokument.
Das erscheint mir umso wichtiger, weil die deutsche Öffentlichkeit seit Jahren mit einer sehr weitgehend festgelegten Darstellung der Ereignisse von Butscha konfrontiert wird, während es zugleich unterschiedliche internationale und wissenschaftliche bzw. journalistische Bewertungen einzelner Aspekte des Geschehens gibt.
Ich verlange ausdrücklich nicht, dass ARD oder ZDF russische Darstellungen übernehmen.
Ich verlange aber, dass ein Gegenstand, der einem deutschen Außenminister im Rahmen eines außergewöhnlichen direkten Gesprächs mit dem russischen Außenminister offenbar konkret vorgelegt wurde, nicht einfach aus der journalistischen Wahrnehmung verschwindet.
Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte hier seine besondere Funktion wahrnehmen: nicht die politische Darstellung der Bundesregierung zu reproduzieren, aber ebenso wenig russische Darstellungen ungeprüft zu übernehmen, sondern die jeweils offenen Fragen zu stellen.
Eine solche Frage wäre beispielsweise:
„Herr Wadephul, auf dem Tisch lag während Ihres Gesprächs mit Sergej Lawrow ein russischer Bericht zu den Ereignissen von Butscha u.a.. Haben Sie diesen Bericht erhalten und gelesen? Welche konkreten Belege beziehungsweise Argumente enthält er aus Ihrer Sicht, und wie bewerten Sie diese?“
Eine zweite Frage wäre:
„Warum haben Sie das Dokument, nachdem Sie dessen Titel offenbar wahrgenommen hatten, mit einem anderen Papier abgedeckt?“
Vielleicht gibt es dafür eine völlig unspektakuläre Erklärung. Dann sollte es für Herrn Wadephul und die Bundesregierung auch kein Problem sein, diese Erklärung öffentlich zu geben.
Vielleicht hat Wadephul das Dokument lediglich zur Kenntnis genommen und hält dessen Inhalt für substanzlos. Auch das wäre eine journalistisch relevante Information.
Vielleicht hat er sich mit den darin enthaltenen Argumenten überhaupt nicht beschäftigt. Auch das wäre angesichts der politischen Bedeutung von Butscha eine bemerkenswerte Information.
Und vielleicht enthält das Dokument tatsächlich Argumente, die einer öffentlichen Prüfung bedürfen.
Genau deshalb sollte darüber gesprochen werden.
Hinzu kommt ein weiterer Gesichtspunkt: Wadephul begründet gerade die Bereitschaft zum Gespräch mit Russland damit, dass Diplomatie auch Gespräche mit Gegnern erfordere. Gegenüber denjenigen in Deutschland, die seit längerer Zeit direkte Verhandlungen mit Russland fordern, kann die Bundesregierung nun tatsächlich auf dieses Gespräch verweisen. Die Tagesschau zitiert Wadephul entsprechend mit dem Satz: „Mit Freunden muss man nicht verhandeln, mit Gegnern muss man verhandeln.“
Dann sollte aber auch der zweite Teil diplomatischer Kommunikation ernst genommen werden: Zuhören bedeutet nicht lediglich, die eigene Position vorzutragen.
Wenn der russische Außenminister einem deutschen Außenminister ein Dokument zu einem für die deutsche Öffentlichkeit und die deutsche Außenpolitik zentralen Ereignis übergibt, gehört es zur Diplomatie ebenso wie zum Journalismus, zu fragen, was der Empfänger damit macht.
Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass Wadephul das Gespräch anschließend selbst als Beleg dafür verwendet, dass Deutschland mit Russland spreche.
Die rundfunkbeitragszahlende Öffentlichkeit sollte deshalb erfahren:
- Welches Dokument wurde Johann Wadephul in New York tatsächlich übergeben?
- Hat er es persönlich entgegengenommen?
- Hat er es gelesen oder zumindest den Inhalt zur Kenntnis genommen?
- Was sagt die Bundesregierung zu den darin enthaltenen konkreten Behauptungen und Belegen?
- Warum wird dieser Vorgang in der bisherigen Berichterstattung von ARD und ZDF, obwohl die entsprechenden Bilder vorliegen, bislang nicht thematisiert?
- Hat eine Redaktion von ARD oder ZDF den Außenminister oder das Auswärtige Amt hierzu bereits befragt? Falls nein: Warum nicht?
Ich bitte Sie daher ausdrücklich, diese Fragen an Außenminister Wadephul beziehungsweise das Auswärtige Amt zu richten und die Antworten Ihrer beitragszahlenden Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Es geht dabei also nicht darum, eine russische Darstellung zu „verbreiten“.
Es geht um etwas wesentlich Einfacheres:
Wenn ein deutscher Außenminister bei einem „historischen“ Treffen mit seinem russischen Amtskollegen ein konkretes Dokument zu einem für die deutsche Politik zentralen Ereignis vorgelegt bekommt, sollte die Öffentlichkeit erfahren, was der deutsche Außenminister damit macht.
Gerade in einer Zeit, in der das Vertrauen erheblicher Teile der deutschen Bevölkerung in die außenpolitische Kommunikation der Bundesregierung erkennbar unter Druck steht, sollte öffentlich-rechtlicher Journalismus nicht den Eindruck entstehen lassen, unangenehme oder widersprechende Dokumente würden schlicht aus dem Bild verschwinden.
Ich setze das Auswärtige Amt in Kopie, damit auch dort nachvollziehbar ist, dass diese Frage nicht nur mich, sondern ausdrücklich auch die breite Öffentlichkeit betrifft.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Rackwitz


