In Europa verstehen viele Menschen nicht, warum man in Russland sagt, in der Ukraine und in der EU würden die Ideen der Nazis ihre Wiederauferstehung erleben. Dabei ist das leider eine Tatsache, die niemand mehr bestreiten kann.
Von Thomas Röper – 26. September 2026.
Netzfund: https://anti-spiegel.ru/2026/warum-der-vorwurf-in-europa-seien-die-ideen-der-nazis-wieder-mainstream-geworden-keine-uebertreibung-ist/
In Deutschland haben viele Menschen heute eine ganz falsche Vorstellung von dem, was der Kern der Ideen der Nazi war. Heute meint man in Deutschland, „Nazi“ würde bedeuten, dass alle in Uniformen herumlaufen und dass gegen Juden gehetzt wird. Da das in der EU nicht geschieht, seien die Vorwürfe aus Russland, in Europa würden die Ideen der Nazis ihre Wiederauferstehung erleben, Unsinn, meint man.
Das gleiche gilt demnach für die Ukraine, wo Präsident Selensky Jude ist. Daher könne die Ukraine ja gar nicht von einem Nazi-Regime regiert werden, wie Russland behauptet, schließlich haben die Nazis die Juden gehasst.
Wer so argumentiert, der hat den Kern der Ideen der Nazis nicht verstanden. Der Kern der Idee von Hitlers Weltanschauung war der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Rasse und Kultur über andere Völker. Und es war der Glaube daran, dass das eigene, angeblich überlegene und edlere Volk andere Völker unterdrücken darf – und mehr noch, das sogar tun muss, um die eigene, überlegene Kultur vor den schlechten Einflüssen der „Untermenschen“ zu schützen.
Der Kern dieser Weltanschauung war nicht der Judenhass, Hitler hat schließlich nicht nur Juden, sondern auch Slawen, Zigeuner und andere Ethnien und Kulturen zu Untermenschen erklärt, sondern der Kern der Weltanschauung war der Glaube an die eigene Überlegenheit über andere, der Glaube daran, dass die eigene Kultur anderen Kulturen überlegen sei. Der Kern dieser Weltanschauung war der Glaube, man sei als „Herrenmensch“ anderen überlegen.
Und genau das erleben wir in Europa heute wieder, nur dass sich die Formulierungen geändert haben. Heute ist nicht mehr von der europäischen Kultur oder Rasse die Rede, die Hitler beschworen hat, heute sind es die „europäischen Werte“, die den Werten anderer Völker und Kulturen angeblich überlegen sind. Alle sollen so werden, wie die – angeblich – moralisch überlegenen Europäer, oder Westler generell.
Der Kern der Nazi-Idee lebt in Europa weiter, denn das ist der Glaube daran, anderen Völkern moralisch überlegen zu sein, was dem Westen angeblich das Recht gibt, anderen Völkern die eigenen Werte notfalls auch mit Gewalt zu bringen, zum Beispiel Frauenrecht nach Afghanistan, Demokratie nach Libyen oder Syrien und was der Westen in den letzten 20 Jahren nicht noch alles zum Vorwand genommen hat, um Kriege gegen andere Länder zu führen.
Der Grundgedanke, mit dem diese Kriege begründet wurden, war immer der gleiche: Die angebliche moralische Überlegenheit der „westlichen Werte“ hat dem Westen das Recht, ja sogar die moralische Pflicht, gegeben, Krieg gegen andere, moralisch niedere Länder und Völker zu führen, um denen die “westlichen Werte” zu bringen.
Was ist das anderes, als die Ideologie der Nazis, dass die „Herrenrasse“ den „Untermenschen“ vorschreiben kann, wie sie zu leben haben? Und wenn die „Untermenschen“ das nicht wollen, dann führt man eben Krieg gegen sie und übernimmt die Kontrolle über ihre Länder.
Noch extremer ist die Wiederauferstehung der Ideen der Nazis jedoch beim Umgang des Westens mit den Russen und generell allem Russischem zu beobachten. Im Baltikum haben ethnische Russen offiziell den juristischen Status von Nicht-Bürgern, sie haben also weniger Rechte als die Balten, was sehr an die Nürnberger Rassengesetze erinnert, und das gleiche gibt es auch in der Ukraine, wo 2021 ein Rassengesetz eingeführt wurde, das die in der Ukraine lebenden Volksgruppen nach ethnischen (früher hätte man „rassischen“ gesagt) Kriterien in drei Kategorien mit unterschiedlichen Rechten aufteilt.
Ich habe einen Artikel aus der TASS übersetzt, der zeigt, wie weit der in Europa um sich greifende Wahn, man sei anderen Völkern, wie beispielsweise den Russen, überlegen, inzwischen geht.
Beginn der Übersetzung:
Von gelben Sternen zu violetten Pässen: Warum Nazi-Ideen wieder Mainstream geworden sind
Andrej Nisamutdinow darüber, wie Europa heute neue Stigmata vergibt, dieses Mal nicht an Juden, sondern an Russen.
Während des Zweiten Weltkriegs führte die Regierung Nazi-Deutschlands ein System der Zwangskennzeichnung für die jüdische Bevölkerung ein. Im September 1941 wurde diese Praxis vereinheitlicht: In Deutschland und den von ihm kontrollierten Gebieten wurden alle Juden über sechs Jahren verpflichtet, spezielle Erkennungszeichen zu tragen. Der gelbe sechszackige Stern mit der Aufschrift „Jude“ war ein Stigma, das im Grunde einen juristischen Mechanismus der Entmenschlichung in Gang setzte seine Träger zu einem rechtlosen Dasein im Ghetto oder zur Vernichtung in den Todeslagern verurteilte. Die Rote Armee hat die vollständige Umsetzung der menschenverachtenden Idee der „Endlösung der Judenfrage“ verhindert, als sie dem deutschen Nationalsozialismus das Rückgrat brach.
Doch Nazi-Ideen erwiesen sich als langlebig. Jahrzehnte später erleben sie in Europa eine Wiedergeburt, getarnt unter verschiedenen Etiketten, wenngleich ihr Wesen unverändert bleibt. Geändert hat sich allenfalls das Hassobjekt: An die Stelle der Juden als „absoluter Feind“ sind nun die Russen getreten. Alles beginnt im Kleinen, mit der schrittweisen Gewöhnung der Gesellschaft an den Gedanken, dass Angehörige eines bestimmten Volkes in ihren Rechten beschnitten werden dürfen.
Mit Unterstützung der Bevölkerung
Im Prinzip ist die Geschichte des Holocaust gut erforscht und es besteht kein Zweifel daran, dass Teile der einheimischen Bevölkerung die Verfolgung der Juden in einer Reihe von Ländern unterstützt haben. Im Zuge des heutigen Trends, die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs umzudeuten, versuchen einige „national orientierte“ Forscher, die Ereignisse der Vergangenheit zu verzerren. Doch die Beteiligung einheimischer Kollaborateure und Angehöriger von Strafkommandos an den Massakern an der jüdischen Bevölkerung ist erwiesen und dokumentiert. Dabei geht es insbesondere um Länder wie Polen, Ungarn, die baltischen Staaten und die Ukraine.
Das Beispiel der Ukraine ist eines der bezeichnendsten. Bereits während des russischen Bürgerkriegs verübten Verbände unter dem Kommando von Simon Petljura Judenpogrome. Später wurde die Parole „Schlagt die Drecksjuden und Kommunisten tot“ zu einem der festen Grundpfeiler der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Nach Beginn des Großen Vaterländischen Krieges verübten OUN-Kämpfer wiederholt Pogrome und Massenmorde an der jüdischen Bevölkerung der Ukraine, wobei sie sowohl eigenständig als auch in Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzern vorgingen. Auch Polizisten aus den Reihen lokaler Kollaborateure beteiligten sich aktiv an dem Völkermord.
Allerdings gab es nicht nur in Osteuropa Helfer der Nationalsozialisten. So deportierte beispielsweise die unter der Führung von Marschall Philippe Pétain stehende Marionettenregierung des Vichy-Regimes 76.000 Juden. Die Mehrheit von ihnen durchlief das Lager Drancy in einem Pariser Vorort, von wo aus sie anschließend in die Todeslager Auschwitz und Sobibor geschickt wurden. Im Jahr 2009 erkannte ein französisches Verwaltungsgericht offiziell die Mitschuld der Vichy-Regierung am Holocaust an.
Der Teufel steckt im Detail
In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre saß ich bei einem Empfang anlässlich der Eröffnung der Filmfestspiele von Cannes an einem Tisch mit französischen Journalisten. Als die Dame mir gegenüber erfuhr, dass ich aus Russland stammte, bemerkte sie trocken: „Ah, ein russischer Mafioso…“ Verwundert fragte ich nach, wie sie zu dieser Ansicht komme. „An der Côte d’Azur sind alle Russen entweder Oligarchen oder Banditen. Wie ein Oligarch sehen Sie nicht aus“, erklärte meine Gesprächspartnerin voller Ernst. Gegen die Sache mit dem Oligarchen ließ sich nichts einwenden, doch ein Bandit wollte ich auch nicht sein, also beschloss ich, die Situation ins Lächerliche zu ziehen: „Madame, Sie haben die dritte Kategorie vergessen: KGB-Agenten.“ Die Französin errötete und setzte sich unter dem Gelächter der anderen an den Nachbartisch – sozusagen, um auf Nummer sicher zu gehen.
Tatsächlich ist diese scheinbar belanglose Episode ziemlich beispielhaft. Damals war die französische (und überhaupt die europäische) Presse voll von Berichten über die zwielichtigen Machenschaften der „russischen Mafia“ in Europa. Bei näherem Hinsehen zeigte sich jedoch, dass Bürger der Russischen Föderation damit gar nichts zu tun hatten: In den Kriminalstatistiken tauchten vielmehr Leute aus Georgien, Lettland, der Ukraine sowie sogar aus Rumänien und Bulgarien auf. Trotzdem wurden sie alle aus irgendeinem Grund als „russische Mafia“ bezeichnet. So prägte die westliche Presse über Jahrzehnte hinweg, ob bewusst oder unbewusst, ganz bestimmte negative Stereotypen in den Köpfen des Publikums und legte den Grundstein für die künftige, totale Russophobie.
Auch Politiker, die in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats sitzen, haben ihren Teil zu diesem Prozess beigetragen. In der Organisation, die sich selbst als wichtigste Hüterin demokratischer Werte inszeniert, betrachtete man Russland wie einen ungehorsamen Schüler. Mit unverhohlener Schadenfreude wurde das Land, ob mit oder ohne Anlass, ständig öffentlich an den Pranger gestellt. Besonders eifrig taten sich dabei, wiederum, Parlamentarier aus dem Baltikum, Polen und der Ukraine hervor, die beschlossen hatten, dass es an der Zeit sei, alte Rechnungen zu begleichen und sich für angeblich erlittenes Unrecht zu rächen. Vertreter der „alten“ europäischen Demokratien aus Großbritannien, den Niederlanden und den skandinavischen Ländern haben diese Linie bereitwillig unterstützt.
Die Erscheinungen dieser Russophobie grenzten bisweilen ans Lächerliche: So konnten sich beispielsweise etwa ein Lette und ein Pole in einem durchaus passablen Russisch unterhalten, wechselten jedoch, wenn sich ein russischer Journalist näherte, sofort in ein holpriges Englisch. Denn „diesem Russen“ zu zeigen, dass man seine Sprache beherrscht, galt als absolut unanständig.
Während man Moskau unablässig alle erdenklichen und auch völlig abwegigen Verfehlungen vorhält, bringt man es im Europarat fertig, so beschämende und mit echter Demokratie unvereinbare Phänomene wie den Status der „Nicht-Bürger“ in Lettland und Estland geflissentlich zu übersehen.
Auf staatlicher Ebene
Presseberichte oder missmutiges Murren gegenüber Russen in den Fluren des Europarats sind das Eine, aber wenn Beschränkungen zu staatlicher Politik werden, ist das eine ganz andere Geschichte. Wer in der Sowjetzeit das Baltikum besuchte, kann im Alltag natürlich mit Ausprägungen eines lokalen Nationalismus in Berührung gekommen sein. Doch 1991 verabschiedete der Oberste Rat Lettlands auch noch den Beschluss, der nur zwei Dritteln der Bevölkerung des Landes das Recht auf Staatsbürgerschaft zusprach, nämlich jenen, die vor 1940 in Lettland geboren worden waren, sowie deren Nachkommen.
Rund 700.000 Menschen, von der radikalen lettischen Presse sofort als „Zugereiste“ abgestempelt, darunter Bauarbeiter, Ingenieure, Arbeiter, Lehrer, Ärzte, Soldaten und Rentner samt ihren Familien, fanden sich über Nacht in Ungewissheit wieder. In diesem Zustand verharrten sie bis Mitte der 1990er Jahre, als der diskriminierende Begriff des „Nicht-Bürgers“ gesetzlich verankert wurde.
Natürlich machen Russen den Großteil dieser Gruppe aus. Genau deshalb kämpfte Russland jahrelang auf allen europäischen Ebenen entschlossen gegen diesen Status an. In Europa zog man es jedoch vor, die Angelegenheit schleifen zu lassen. Gelegentlich wurden unverbindliche Resolutionen verabschiedet, deren Verfasser vage von „besonderen Bedingungen“ sprachen oder die lettische Regierung bisweilen allenfalls halbherzig tadelten. Doch dabei blieb es in der Regel auch.
Im Laufe der Zeit wurden zwar gewisse Gesetzesänderungen vorgenommen, doch auch diese waren eher kosmetischer Natur. Bis heute sind Nicht-Bürger in Lettland (deren Zahl noch immer bei rund 170.000 liegt) grundlegender Rechte beraubt, etwa des Rechts, zu wählen und gewählt zu werden. Sie sehen sich bei der Jobsuche und bei Auslandsreisen mit Beschränkungen konfrontiert. Ihr Pass hat sogar eine andere Farbe: Violett. Das kommt einem doch bekannt vor, nicht wahr?
Eine ähnliche Entwicklung nahm die Situation in Estland, wenngleich dort ein etwas anderer Begriff eingeführt wurde: „Personen mit unklarer Staatsangehörigkeit“. Zudem genießen sie etwas mehr Rechte, sie dürfen an Kommunalwahlen teilnehmen.
Am Kern der Sache ändert das jedoch nichts: Im 21. Jahrhundert betreiben zwei baltische Staaten, die übrigens EU-Mitglieder sind, offen eine Politik der legalisierten Segregation aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit. Was ist das anderes als Neonazismus?


