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Ruhig ist es hier geworden

    – oder: Auf der Nadelspitze der Geschichte.

    Von Corinna Laude, verantwortlich: die Redaktion.

    Innen wie außen wütet ein dunkles Grauen. Lähmend liegt es über dem Land, schwer auf den Menschen, und auch hier in der Redaktion lastet es in seiner Bedrohlichkeit kräftezehrend.

    „Deutschland“ ist plötzlich wieder groß, so tönen seine „politischen Führungskräfte“ – als Kriegstreiber, Waffenlieferant, Möchtegern-Weltgestalter und Musterschüler des nunmehr völlig enthemmten Bio-Digital-Kontroll-Kapitalismus made in USA and by WEF, so nehmen es seine Dissidentinnen und Dissidenten wahr.

    Ich sehe eine BRD, in der die Einwohner verzehnfachte Gasheizungsrechnungen erhalten, für ein (Discounter-)Brot nicht mehr 1,49 Euro, sondern 3,39 Euro zahlen (in zwei, drei Wochen wohl 6,49 Euro), und bald kein Brot mehr werden kaufen können, weil nicht nur die Bäckereien insolvent geworden sein werden, sondern weil auch die hiesigen Konzernbackfabriken dann weder an Mehl rankommen noch an Strom oder Gas für ihre Backöfen.

    Ich sehe ein Land, sehe die Bevölkerung eines Landes, die in Teilen von den Regierenden dieses Landes missachtet, verleumdet und neuerdings auch politisch verfolgt wird, während die anderen (diesbezüglich bislang unangetasteten) Teile noch nicht einmal dezent wegblicken, sondern schlicht leugnen, was sie täglich sehen.

    Die Regierenden nennen sich „sozialdemokratisch“, „ökologisch“ und „liberal“.

    Sie haben diese epitheta ornantia endgültig diskreditiert.

    Da die FDP schon immer eine Wendehals-Partei war, muss ich sie jetzt nicht erwähnen. Aber es seien Willy Brandt erwähnt und sogar noch Helmut Schmidt: Beide wussten – bei allem Dreck, den sie am Stecken hatten – noch ansatzweise, was „sozial“ und „demokratisch“ heißt. Und es seien Petra Kelly und Bärbel Bohley erwähnt, die nicht nur sehr genau wussten, was „ökologisch“ heißt, sondern auch, was demokratisch, sozial und gerecht heißen könnte.

    Die Opposition besteht aus einer vor einem Jahr knapp abgewählten Ex-Regierungspartei, die sich in nichts von der Regierungskoalition unterscheidet; aus einer Rechtsrhetorik-Truppe, die ihren plumpen Populismus auch nur als Selbstbedienungspöstchenladen pflegt; und,

    und hier wird es für mich unfassbar,

    die Opposition besteht aus einer sich selbst „links“ nennenden Partei, die spätestens seit 2,5 Jahren Verrat an allen linken Ideen begeht, Verrat an allen Menschen, die seither und jetzt, hier und fern, unserer Solidarität bedürfen und Solidarität leben. Eine Partei, die Verrat begeht an allen Menschen, die jemals für Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit, also für linke Ideen gelebt haben und gestorben sind.

    Vor mehr als einem Jahr musste ich einen Fehler korrigieren: Ich hatte damals gedacht, das größte Grauen meines privaten Lebens vor zehn Jahren erlebt zu haben. Doch ich hatte mich geirrt, denn der Corona-Maßnahmenwahnsinn erwies sich als das größere Grauen.

    Jetzt muss ich mich ein weiteres Mal korrigieren: Ich habe mich auch vor mehr als einem Jahr geirrt:

    Jetzt erlebe ich, dass

    eine deutsche Außenministerin in völliger Geschichtsvergessenheit und fernab aller Humanität „Russland für immer ruinieren“ möchte („egal was [ihre] deutschen Wähler denken“), und sich nicht schämt, das öffentlich zu sagen;

    eine deutsche Verteidigungsministerin, welche gerne mit Kriegsgerät in den Urlaub fliegt, die Bundeswehr als „Daseinsvorsorge im Namen der Generationsgerechtigkeit“ bezeichnet und sich nicht entblödet, das unter Umdeutung aller Begriffe öffentlich zu sagen;

    ein deutscher Wirtschaftsminister in gänzlicher Unkenntnis dessen, was Insolvenz bedeutet, den von ihm aktiv betriebenen Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft kleinredet;

    ein deutscher Bundeskanzler, der entweder gegen Teile der eigenen Bevölkerung oder gegen Menschen anderer Nationalität hetzt, sich ganz oft an all das oder manches andere nicht erinnern kann;

    und ich erlebe, dass die sich selbst so nennende „politische Linke“ weiterhin all das entweder gutheißt oder dazu wohlwollend schweigt.

    Das zehrt. Das raubt Vertrauen (in die Gattung Mensch und damit in jeden Menschen einzeln). Das macht kaputt.

    Und so ist es nicht erstaunlich, dass es auch hier auf unserer Webseite ruhiger geworden ist. Warten wir alle etwa nur auf den vielerorts heraufbeschworenen heißen Herbst, mit Lockdowns, Blackouts, Plünderungen, Massendemonstrationen und inländischen Bundeswehreinsätzen gegen Demonstranten?

    Nein: Noch sind wir da und machen mehr, als nur zu warten: Wir Menschen der Freien Linken.

    Auch wenn der Sommer viele Freiheiten zugelassen hat, es wieder getanzt und fast unbehindert demonstriert werden durfte – wir wissen: Die Zukunft liegt nicht in der Flucht zur semiprivaten Polonäse oder auf die Scholle in die Knollengemüsekommune.

    Zwar besteht aktuell die Gefahr, dass der linke Lebensgedanke – die Trias von Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität – sich nunmehr selbst als Flaschenpost nicht mehr wird retten lassen (doch das wäre historisch völlig neu und deshalb ist es wenig wahrscheinlich).

    Gleichzeitig liegt in der derzeitigen Zuspitzung der Verhältnisse womöglich auch die epochale Chance, Linkes wieder links werden zu lassen, und allen, die das in den vergangenen Jahren unberechtigterweise für sich reklamiert haben, ihren (Selbst-)Betrug deutlich zu machen  – und sie, die unbelehrbar bleiben werden, dann zum Teufel zu jagen.

    Denn jetzt, in dieser Zeit auf der Nadelspitze der Geschichte,  besteht auch die Chance, dass Mut Bewusstsein wiedererlangt und wir Menschen wieder begreifen, dass es in der menschlichen Gesellschaft keine „Sachzwänge“, erst recht keine „Alternativlosigkeit“ gibt, sondern dass unsere Verhältnisse, unsere sozialen Lebensbedingungen VON UNS gemacht worden sind – und folglich jederzeit VON UNS geändert werden können.

    Noch sind wir da! Wir freien linken Berlinerinnen und Berliner. Und wir von der Webseite rütteln uns und schütteln uns und herab fällt zwar kein Träumelein, aber – versprochen – der ein und andere Text, der analytisch, humoristisch, zynisch oder sonst irgendwie hilfreich sein mag!

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