US-Präsident Donald Trump will Grönland besitzen. US-Milliardäre haben sich aber längst auf der riesigen Insel zwischen dem Nordatlantik und dem Nordpolarmeer eingekauft. Sie träumen von einer utopischen Tech-Stadt mitten im Eis.
Von Caroline Amme – 22. Januar 2026.
Netzfund: https://www.n-tv.de/wirtschaft/US-Milliardaere-haben-Groenland-laengst-unter-sich-aufgeteilt-id30269980.html
Es ist nicht einmal zwei Wochen her, als US-Präsident Donald Trump keinen Zweifel daran gelassen hat, dass er Grönland besitzen will. „Ob es ihnen passt oder nicht, wir werden in Bezug auf Grönland Maßnahmen ergreifen. Denn wenn die USA Grönland nicht übernehmen, werden es China oder Russland tun“, hat er Anfang Januar gesagt.
Nun rudert Trump zurück. Mit der Nato hat er sich offenbar auf ein neues Grönland-Abkommen verständigt. Viele Details sind noch nicht bekannt, aber es soll ein Verteidigungsabkommen neu ausgehandelt werden, unter anderem mit neuen US-Stützpunkten auf der Insel.
Trump hat bereits seit Ende 2018 von Grönland gesprochen, sagt John Bolton, der während Trumps erster Amtszeit eineinhalb Jahre lang Nationaler Sicherheitsberater der USA war.
Warum ausgerechnet Grönland – eine Insel, die fast komplett von Eis bedeckt ist, mit nur rund 57.000 Einwohnern? Zum Kauf inspiriert wurde Trump anscheinend von seinem engen Freund Ronald Lauder, dem milliardenschweren Erben der Kosmetikmarke Estée Lauder. Beide kennen sich seit über 60 Jahren. Sie waren beide in den 1960er Jahren auf der renommierten Eliteschule Wharton Business School in Pennsylvania.
Export von „Luxus“-Gletscherwasser
Ronald Lauders Vorschlag ist, wie es aussieht, mit seinen Geschäftsinteressen verknüpft. Der 81-Jährige ist nämlich längst selbst unternehmerisch in Grönland aktiv und hat dort viel Geld investiert.
Der Milliardär ist zum einen in ein lokales Unternehmen eingestiegen, das Grönlands Gletscherschmelzwasser als „Luxus“-Quellwasser exportieren will. Zu den Eigentümern von Greenland Water Bank gehört auch Jørgen Wæver Johansen. Er ist Funktionär der Regierungspartei Siumut und mit Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeld verheiratet. Sie war bis 2018 auch im Vorstand des Wasser-Unternehmens und verhandelt derzeit regelmäßig mit der US-Regierung über die Zukunft ihrer Insel.
ußerdem hat sich Ronald Lauder über die Investorengruppe Greenland Development Partners in die Greenland Investment Group eingekauft. Das Unternehmen will an Grönlands größtem See Tasersiaq ein Wasserkraftwerk bauen, um damit eine geplante Aluminiumschmelze mit Strom versorgen zu können. Vorsitzende der „Greenland Investment Group“ ist die ehemalige stellvertretende US-Außenministerin Josette Sheeran.
Milliardäre träumen von „Freedom City“
Der Kosmetik-Erbe ist keine Ausnahme. Seit mehreren Jahren sichern sich US-Milliardäre heimlich Anteile rund um die eisbedeckte Insel. Hinter Trumps Grönlandplänen stecken vor allem ihre Interessen, sagt Wirtschaftsexpertin Sandra Navidi bei ntv. „Seitdem haben sich viele andere Oligarchen dazugesellt, die Trumps Wahlkämpfe finanziert haben, die ihm auch heute noch Geld zustecken. Und natürlich auch die Tech-Titanen, die dort investieren wollen und auch schon investiert haben.“
Einige Tech-Investoren aus dem Silicon Valley haben die arktische Insel als Standort für eine „Freiheitsstadt“ – eine „Freedom City“ – auserkoren. Eine libertäre Utopie mit minimaler Regulierung von Unternehmen. Frei von Gesetzen und Steuern. Mit einem Zentrum für künstliche Intelligenz, Weltraumstarts und Mikro-Kernreaktoren, autonomen Fahrzeugen und Hochgeschwindigkeitszügen. Bewohnt von den Aktionären, mit den Tech-Chefs als „Königen“, erklärt Navidi.
„Bin nach Grönland gereist, um es zu kaufen“
Einer der Geldgeber ist der Tech-Milliardär Peter Thiel, Mitgründer von Paypal. Er hat Anfang 2021 das Startup Praxis mitfinanziert, das die „Freedom City“ auf Grönland bauen will. Auch andere bedeutende Investoren unterstützen das Projekt, wie Open-AI-Gründer Sam Altman, Joe Lonsdale von der Softwarefirma Palantir, Marc Andreessen von Andreessen Horowitz oder die Winklevoss-Zwillinge, die durch ihren Rechtsstreit mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg berühmt geworden sind.
Praxis hat bereits 525 Millionen US-Dollar für eine neue Stadt zusammenbekommen, hat das Unternehmen im Oktober 2024 angekündigt. Ein großer Sprung im Vergleich zu 2021 – da standen erst 4,2 Millionen US-Dollar für die Freedom City bereit, berichtet die New York Times.
Mitbegründer von Praxis ist Dryden Brown. Im November 2024, eine Woche nach Donald Trumps Wiederwahl, hat er bei X gepostet: „Ich bin nach Grönland gereist, um es zu kaufen“. Die Eis-Insel ist ideal für eine neue Stadt, findet er, denn: Die rauen Bedingungen könnten ein Testgelände für die Besiedelung des Mars sein – ein großes Ziel von Elon Musk.
Grönland ist kein Einzelfall: Ähnliche Tech-Städte existieren bereits in Honduras und Nigeria. Auch in Kalifornien ist eine solche Stadt geplant. Trump unterstützt die Idee: im Wahlkampf hatte er den Bau von zehn solcher „Freedom Cities“ in den USA versprochen.
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