Die ICE benützt eine App von Palantir, um Personen aufzuspüren. Gespeist wird sie mit Daten von Patienten. Ärzte warnen.
Von: Martina Frei – 2. Februar 2026.
Netzfund: https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/us-regierung-gibt-versichertendaten-an-bigtech-preis/
Im November 2023 schrillten bei der britischen Ärztevereinigung die Alarmglocken. Die Standesgesellschaft fand es «zutiefst besorgniserregend», dass ausgerechnet die US-Firma Palantir eine Datenplattform für das staatliche britische Gesundheitssystem NHS kreieren soll. Palantir arbeitet auch für Regierungen, Geheimdienste und Militärs weltweit.
Das auf fünf Jahre angelegte Projekt, das die britischen Steuerzahler bis zu 330 Millionen Pfund kosten könnte, soll den Datenaustausch zwischen medizinischen Zentren ermöglichen. Die Anzahl der aktuell verfügbaren Spitalbetten wird dort ebenso erfasst werden wie die Dienstpläne der Angestellten. Das Ziel – laut offizieller Lesart: zum Beispiel die Wartezeiten vor Operationen verkürzen und das Gesundheitssystem effizienter machen. Was nicht erwähnt wird: Im Kriegsfall könnte ein solches System ebenfalls nützlich sein.
Der Plan: Patienten dürfen Zustimmung nicht verweigern
Es gälten die «höchstmöglichen Sicherheitsstandards», beruhigte der National Health Service (NHS) England. Die Gesundheitsdaten der Briten blieben unter Kontrolle des NHS und ohne dessen ausdrückliche Zustimmung könne Palantir nicht darauf zugreifen. Überdies würden diese Daten zuvor anonymisiert. Deshalb sollen die britischen Patienten ihre Zustimmung zur Datenweitergabe an Palantir künftig auch nicht verweigern dürfen, wenn es nach dem NHS geht.
Zwei frühere Versuche, die verschiedenen Datentöpfe zu verbinden, seien am Widerstand gescheitert, berichtete der «Guardian». Nun soll es Palantir richten, dessen Mitbegründer Peter Thiel Monate, bevor die Firma den Zuschlag erhielt, öffentlich verkündet hatte, dass das staatliche Gesundheitssystem NHS besser privatisiert werden solle.
US-Gesundheitsministerium gibt Daten von Patienten weiter
Im Juni 2025 läuteten die Alarmglocken bei der kalifornischen Ärztevereinigung. Die Nachrichtenagentur «Associated Press» deckte damals auf, dass das US-Gesundheitsministerium der Einwanderungsbehörde ICE in mehreren Bundesstaaten persönliche Daten von Medicaid-Versicherten ausgehändigt hatte, darunter auch Kalifornien.
Medicaid ist die staatliche US-Krankenversicherung für arme Erwachsene und Kinder in den USA. Mehrheitlich sind dort US-Bürger versichert, zu einem kleineren Teil Einwanderer. Medicaid bezahlt auch lebensrettende Notfallbehandlungen von «papierlosen» Menschen, die sich illegal im Land aufhalten.
Seit Juli 2025 stellt das US-Gesundheitsministerium der ICE-Behörde tagesaktuell den vollen Datensatz zur Verfügung. Die ICE-Behörde erfuhr so von rund 79 Millionen Menschen, die von Medicaid Versicherungsleistungen erhalten hatten, die Namen, ihre Sozialversicherungsnummern und Adressen. Das Gesundheitsministerium begründete den aus seiner Sicht legalen Datentransfer damit, dass man Personen, die unrechtmäßig Leistungen beziehen würden, so auf die Schliche kommen wolle. Tatsächlich erlaubt es das US-Gesetz, Medicaid-Gesundheitsdaten von Verdächtigen an die ermittelnden Behörden weiterzugeben. Dies sei laut dem «British Medical Journal» (BMJ) zuvor aber nur in Einzelfällen gemacht worden und nicht millionenfach.
Medicaid habe versucht, die Datenweitergabe an die ICE-Behörde zu stoppen, sei aber vom Weissen Haus und vom US-Justizministerium «überstimmt» worden. 20 von den Demokraten regierte US-Bundesstaaten legten dagegen Widerspruch ein.
«Elite»-App denunziert Personen
Nun deckte «404 Media» auf, dass eine von Palantir entwickelte App auf die Medicaid-Daten zugreift. Diese «Elite» abgekürzte App «ist ein Zielwerkzeug, das entwickelt wurde, um die Fähigkeiten zur Identifizierung und Priorisierung hochwertiger Ziele durch fortschrittliche Analysen zu verbessern», heisst es in einer Anleitung, die «404 Media» vorliegt. Konkret geht es darum, mit Hilfe der App Personen aufzuspüren.
Ähnlich wie bei Google Maps zeige «Elite» an, wo sich der illegalen Einwanderung Verdächtigte vermutlich aufhalten, und liefere zu jeder Person ein Dossier mit Name, Foto, Adresse, Geburtsdatum. Eine wichtige Quelle dafür sind laut dem «BMJ» die Gesundheitsdaten. Im Oktober habe «Elite» den ICE-Beamten geholfen, 30 Personen im Bundesstaat Oregon festzunehmen.
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