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Wie ich eine Freie Linke wurde

    Von Corinna Laude.

    (Anmerkung der Redaktion: Wir hoffen, dass mit diesem Text ein Reigen beginnt und noch andere Menschen mitteilen, wie sie zu den Freien Linken gefunden haben.)

    Man soll bekanntlich mit Pointen sparsam umgehen und sie vor allem gut platzieren, also nicht an den Anfang eines Textes setzen. Ich muss es hier anders handhaben:

    Ich „wurde“ eine Freie Linke, indem ich schlicht eine blieb.

    Denn frei bin ich seit der Zeit, in der ich denken lernte, und links bin ich, seitdem ich begonnen hatte, über Politik nachzudenken (was nicht sehr viel später einsetzte). Da ich allerdings bislang nie sonderlich systematisch über Politik nachgedacht, geschweige denn mich in linke Theoriebildung eingearbeitet hatte, lebte ich ein gleichsam „naturwüchsiges“ freies Linkssein.

    Zu Beginn meiner letztlich apolitischen Laufbahn als „politische Bürgerin“ der BRD – sprich: als Mensch, der alle vier, fünf Jahre zum Wahlgang berechtigt war – schlug sich mein naturwüchsig freies Linkssein auch institutionell nieder: in Gestalt wechselnder Kreuzchen auf den jeweiligen Stimmzetteln. Das ging so bis 1998.

    Danach ging ich nicht mehr zur Wahl, denn ich hatte begriffen: Es gibt keine. Jedenfalls keine richtige Wahl im falschen Leben – oder vom Kopf auf die Füße und womöglich wieder zurück gestellt: alles einerlei wahllos.

    Denn was SPD und Grüne da nun trieben, war die Traufe, in die das Land nach all den Bofizzel-Jahren Kohls stürzte („bofiz[z]eln“ ist ein pfälzisches Verb, das in offiziellen pälzer Lexika „schneeregnen“ heißt, dort, wo ich es gelernt habe, aber „nieselregnen“). Meine Existenz als Wählerin ist in selbiger beziehungsweise in Kosovokrieg, Bologonarisierung der Universitäten, HartzIV-Gesetzen und Vorratsdatenspeicherung von den sie betreibenden PolitikerInnen ersäuft worden. – Da war ich dann nochmal etwas freier. Und linker.

    Und von aller Politik etablierter Parteien noch ein Stück weiter entfernt als schon zuvor.

    Trotzdem hat es mich – auch nach all den Jahren der fortschreitenden Desillusionierung – getroffen, was jetzt mit den etablierten „linken“ Parteien, speziell mit der Partei „Die Linke“, passiert ist, jetzt in der Zeit sub corona.

    Ab Anfang April 2020 begann ich, mir die Augen zu reiben und mich zu zwicken, denn es taten sich – trotz aller gegenteiligen Behauptungen seitens einer plötzlich seltsam monolithisch gewordenen Wissenschaft, einer alternativenlosen Politik, einer fragenverbietenden Verwaltung und eines medialen Dauerpanikblaskonzertes – weder hier noch andernorts (auch nicht in dem dunklen Raun-Ort „Bergamo“) solche Szenen auf wie in Boccaccios pestverseuchtem Florenz (und ganz Mitteleuropa) vor 600 Jahren.

    Es starben Menschen, die älter geworden waren, als der statistische Durchschnitt es besagte.

    Es starben Menschen, die jünger, aber schwer vorerkrankt waren.

    Es tat der Tod seine Arbeit wie eh und je. (Und mit der kenne ich mich aus.)

    Doch dann hatte er plötztlich mehr zu tun als üblich, denn nun musste der Tod sich auch der weggesperrten Alten in den Heimen annehmen, die von besagter Wissenschaft und Politik und Verwaltung zu ihrer eigenen Sicherheit aus dem Leben herausisoliert worden waren, und er musste sich um all die sterbenden Leiber kümmern, in denen zwangsbeatmete Lungen platzten (die Moerser Lungenärzte hatten bereits im Frühsommer 2020 vor dieser Falschbehandlung gewarnt), oder die an der (vom US-amerikanischen RKI-Leiter-Pendant seltsam strikt propagierten) „Behandlung“ mit Remdesivier verstarben. Da gab’s dann wirklich viel zu tun für den Tod.

    Und es hätte seither viel zu tun gegeben für alle Linken, die sich doch seit eh und je analytische Distanz (gerade auch zu Regierungen, denen sie meist nicht oder nur als kleiner Teil angehör[t]en), kritische Reflexion (auch Selbstreflexion) und solidarisches Handeln im Dienste der ausgebeuteten, unterdrückten, misshandelten und sonstwie bedrohten Menschenmehrheit der Armen und Schwachen ohne politische Stimme auf die Fahnen geschrieben hatten.

    Aber obwohl die Aufgaben wuchsen und wuchsen – die „Linke“ tat nichts dergleichen.

    Was nicht heißt, dass sie untätig gewesen wäre in all diesen nunmehr 24 Monaten sub corona – oh nein! Die etablierte „Linke“ (von SPD über die Grünen bis zur Partei „Die Linke“) war sogar sehr fleißig.

    Sie war sehr fleißig darin, das Denken aufzugeben und sich einer blanken Angstwollust hinzugeben, statt Analysen zu betreiben.

    Sie war sehr fleißig darin, alle Spiegel zu zerschlagen, in denen sie ihrer selbst noch hätte ansichtig werden können, und statt dessen sich anzuschmiegen an den parfümierten Samt der Herrschaft.

    Und sie war sehr fleißig darin, wieder einmal die Armen, Schwachen, Ausgebeuteten, Unterdrückten, Misshandelten und anderweitig von den Herrschaften Bedrohten im Stich zu lassen. – Diesmal vielleicht so profund wie noch nie zuvor, denn diesmal nannte diese Linke ihr Tun, also ihren Verrat an allen linken Prinzipien, ein „Gebot der Solidarität“.

    Menschen sollten – so wollte (und will) es diese etablierte Linke ohne Sinn und Verstand – Masken tragen, deren Wirksamkeit unbewiesen, deren Schädlichkeit hingegen erwiesen ist, und zwar aus „Solidarität“. – Ich frag(t)e mich: mit wem? Mit all den Damen und Herren MdB oder deren Angehörigen, die in all den „Maskengeschäften“ ein paar Millionen Steuergelder ins eigene Portemonnai abfließen lassen konnten?

    Menschen sollten – so wollte (und will) es diese etablierte Linke ohne Sinn und Verstand – Kontaktbeschränkungen erleiden, deren Wirksamkeit unbewiesen, deren Schädlichkeit hingegen erwiesen ist, und zwar aus „Solidarität“. – Ich frag(t)e mich: mit wem? Mit all den Damen und Herren Mitgliedern der von diesen selbst erträumten global governance, die den „Great Reset“, die „große Transformation“, das „Build Back Better“ betreiben und dabei keinen kritischen Diskurs gebrauchen können, sondern nur willfährige Massen von stumpfen Monaden?

    Menschen sollen  – so wollte (und will) es diese etablierte Linke ohne Sinn und Verstand – sich nunmehr im „Dauerabo“ gentherapeutische Substanzen, die sich im Versuchsstadium befinden, injizieren lassen, deren Wirksamkeit unbewiesen, deren Schädlichkeit hingegen erwiesen ist, und zwar aus „Solidarität“. – Ich frag(t)e mich: mit wem? Mit den Eigentümern, Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern, Aktienbesitzern und (in Personalunion) Sponsoren der Pharmaindustrie-Unternehmen, die diese Substanzen – subventioniert mit Milliarden von Steuergeldern – produzieren und daraus allein in den letzten 12 Monaten einen Billiardengewinn auf ihre privaten Konten umschichten konnten?

    Das nannte und nennt die etablierte Linke fleißig und in endloser Dauerschleife (weil ja Hinterfragen nunmehr behördlich verboten worden und Politik per kanzlerischer Richtlinienkompetenz alternativlos geworden ist) „solidarisches Handeln“.

    Ich naturwüchsige freie Linke sah das über ein Jahr mit an.

    Zunehmend fassungslos, ohnmächtig, verraten, verloren, verzweifelt – ungläubig auch immer wieder. Und: zornig. Langsam sehr, sehr, sehr zornig über diese dumpfe Menschheit, speziell über die dumpfen linken Teile der Menschheit, die sich darüber hinaus auch noch als bigott, bequem und besonders egomanisch erwiesen, wie sie da so ihre Geschichte, ihren Verstand, ihre Vernunft und ihre Kritik als Existenzgrundlage einfach mal eben der Massenpsychose und dem offenbar verlockenden Odeur von „Macht“ geopfert hatten (und bis heute opfern).

    Über ein Jahr lang ging mir noch das letzte bisschen Welt- und Menschenvertrauen verloren (und es war schon zuvor nicht mehr viel davon übrig geblieben), während ich den Menschen und speziell den sich selbst so deklarierenden und institutionell etablierten „linken“ Menschen in diesem Lande sub corona bei ihrem verstandes- und vernunftlosen Tun, mithin: ihrem menschlichkeitsvergessenen Tun zusah.

    Dann stieß ich zufällig (über einen Blog) auf die „Freie Linke“, genauer: auf deren Webseite. Und war fast den Tränen nah, denn das waren wirklich freie Linke, sie hatten Distanz, Analyse, Reflexion nicht aufgegeben, sie benannten viele der Corona-System-Widersprüche ganz klar, und sie benannten die wirklichen Schäden, die wir durch unsere perversen „Maßnahmen“ anrichte(te)n.

    Diese Seite beobachtete ich längere Zeit. Allerdings tat sich dort wenig, und ich verlor sie wieder aus den Augen.

    Bis sich vor meinen Augen an einem Sonntag Anfang August 2021 folgendes Geschehen ereignete:

    Ich, gerade auf dem Sprung, endlich erstmals an einer Corona-Maßnahmen-Kritik-Demo teilzunehmen, die ein paar hundert Meter von meiner Wohnung entfernt vorbeiziehen sollte, wurde durch seltsamen Lärm zum Fenster gerufen. Dort sah ich:

    Ein von der Polizei aus dem Hauptzug versprengtes Grüppchen von etwa 30 DemonstrantInnen (darunter viele SeniorInnen), das sich in meine Spielstraße (sic!) verirrt hatte, wurde von einer schwarzgepanzerten Beamtenwand, die sich aus etwa 5-7 Wannen heraus betonierte, zum Stoppen gebracht, und dann wurden – vollkommen willkürlich, anlasslos, unberechenbar – einzelne Personen aus der Demonstratengruppe, die das Pech hatten, in der ersten Reihe zu stehen, von dieser marodierenden Soldateska gepackt und zu Boden geschmettert, darunter ältere Damen und Herren.

    Ich verbrachte den Rest diese Sonntags zitternd auf meinem Sessel, verschiedene Livestreams der Demonstration verfolgend.

    Und ich habe mich vor mir selbst so geschämt wie nie in meinem Leben.

    Denn ich wusste: Mein Versagen da im Angesicht dieser totalitären Gewalt wiederholt das in vielen Schnörkeln immer unausgesprochene Versagen meiner Großeltern, von dem ich mir doch geschworen hatte, es nie zu wiederholen.

    Am Abend wusste ich, dass in Rilkes „Du musst Dein Leben ändern“ auch für mich, die ich Liebestod und Eisbärenexistenz über- und erlebt hatte, eine unumstößliche existentielle Wahrheit liegen kann.

    Zwei Wochen später und um meine ersten Telegram-Erfahrungen reicher sprach ich, die ich alt und old-school bin und Webseiten jedem „Messengerdienst“ bevorzug(t)e, nie beim Fratzenbuch angemeldet war und pro Jahr bis dato etwa 50 Textnachrichten verschickt hatte, mit dem ersten „Freien Linken“. Wenige Tage danach war ich dann tatsächlich erstmals auf einer Demonstration gegen diesen Corona-Politik-Wahnsinn.

    Dass ich da das Banner der Freien Linken tragen konnte, war und ist mir bis heute eine Ehre

    und eine Hoffnung

    auch dass wir Freien Linken unserem Namen gemäß undogmatisch, anarchistisch, tolerant, bunt gemixt und ohne Interesse an jeglicher Institutionalisierung kämpfen für

    ein sofortiges Ende aller Corona-Maßnahmen,

    für die unverzügliche Wiedereinsetzung des Grundgesetzes und für eine endlich doch menschliche Gesellschaft ohne Superreiche und Superarme, sondern mit einem menschenwürdigen Auskommen für ein jedes menschliche Wesen, in der alle jagen, fischen, behüten und Kritik üben können, gerade so, wie sie es mögen und vermögen.

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