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Wielernde Wahrheit

    (Am Wegesrand)

    Von Corinna Laude.

    Welch ein Tag, denke ich und beschließe, zu seiner Feier mit dem Bus zu fahren, einfach so, irgendwo hin und wieder zurück, denn mit dem Bus bin ich nun schon jahrelang nicht mehr gefahren. Auf dem Weg zur Haltestelle erwarte ich Lautsprecherdurchsagen von den überall dahinjagenden Feuerwehren und Polizeiautos, Louis Armstrongs Weltlied aus den frisch montierten Sirenen und dass sämtliche Lichter und Lampen, die nunmehr auch nachts meist nicht mehr brennen, jetzt, am frühen Nachmittag, schon erstrahlen. Umso überraschter bin ich, weil nichts davon wahrzunehmen ist.

    – Hat denn niemand den aktuellen Bericht gelesen?!

    Jetzt musste auch des Tierarztes Einhorn-Farm schwarz auf weiß dokumentieren, was seit Jahr und Tag allgemein bekannt ist, nur keiner laut zu sagen wagte, weil die Belegschaft dieses Spezial-Ponyhofs es mit einem Bann belegt hatte: Eine natürliche Infektion mit dem viralen Gottseibeiuns bietet mehr Schutz gegen eine zweite Infektion als alle Spritzungen zusammen.[1]

    Und ich stehe da und möchte tanzen. Doch die Welt ist still.

    Also will ich sie umarmen. Aber sie hastet fast so schnell an mir vorbei wie der mich gerade passierende Krankenwagen.

    Dann will ich zumindest meinem Gegenüber zulächeln. Das indes blickt mich äußerst missbilligend an, was ich nur an der Zornesfalte über der Nasenwurzel und den zusammengekniffenen Augenschlitzen sehe, denn der Rest des Gesichts ist natürlich durch diesen Plastikfetzen entstellt, der begonnen hat, sich in die Wangen dieses Menschen hineinzueitern – ob Mann oder Frau (einem der etwa 400 aktenkundigen Diversen bundesweit bin ich noch nicht begegnet, also lass’ ich das hier weg) –, ist nicht zu entscheiden.

    Nun kommt Bewegung in den bösen Blick, unter hasserfülltem Panikflattern dringt dumpf aus dem schwärigen Plastik: „Maske auf!“

    Was würde ich nicht alles antworten wollen …

    – Wenn nicht, wären Sie dann dafür, dass die Polizei, die Armee oder eine Bürgerwehr mich erschießt?

    – Wenn nicht, wären Sie dann dafür, dass ich für den Rest meines Lebens hinter Gitter komme?

    – Wenn nicht, würden Sie mich dann schlagen („anspucken“ geht ja nicht)?

    – Wenn nicht, bekämen Sie dann einen hysterischen Anfall, der uns allen die Weiterfahrt verhagelt?

    – Wenn nicht, dächten Sie dann, dass mein Atem Putins Armee belüften und die Welt erobern lassen wird?

    Ich sage: „Im aktuellen RKI-Bericht steht, dass die natürliche Infektion mit Sars-Cov-2 in der Variante ‚Omikron‘ mehr Schutz vor Neuinfektionen bietet als jede Impfung. In den alten RKI-Berichten steht, dass keine Impfung vor Ansteckung schützt. Ich schütze also Sie und mich, good bless you! – Wie?! Letzteres verstehen Sie nicht?! Dann lernen Sie mal Ami! Damit Sie die auf den Knien lobpreisen können. Denn das werden die binnen kurzem von Ihnen verlangen, so wie die jetzt schon von Ihnen verlangen, deren unermesslich teures Flüssiggas zu kaufen.“

    Nein, nichts sage ich. Aus dem Freudentag ist längst ein Novembernichts geworden da im Nebel über der stillen Stadt und mir die Lust vergangen, irgendwo hinzufahren. Nur kurz bleibe ich vor der Bushaltestelle stehen, am Rande des Bürgersteigs.


    [1] https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/COVID-19/Monatsbericht-Impfung.html, S. 18: „dass […] eine alleinige vorangegangene Infektion einen etwas höheren Schutz gegen eine Omikroninfektion vermittel[t] als eine vollständige Grundimmunisierung bzw. Auffrischimpfung alleine […].“ Und hier als PDF, falls die wieder löschen:

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